Talentschmiede für zukünftige Uhrmacher

Am 19. August 2013 begann bei A. Lange & Söhne das neue Ausbildungsjahr. 17 junge Männer und Frauen aus verschiedenen Regionen Deutschlands haben sich dafür qualifiziert und werden nun drei Jahre lang in die Geheimnisse der Lange’schen Uhrmacherkunst eingeweiht, außerdem werden zwei Werkzeugmechaniker ausgebildet. Damit hat das Unternehmen insgesamt 41 Auszubildende für die Berufe Uhrmacher und Werkzeugmechaniker.

Doch warum wollen junge Menschen heute noch Uhrmacher werden? Manche haben Spaß an Technik. Andere haben Verwandte oder Freunde, die in dem Beruf arbeiten. Und wieder andere wollen Schauspieler werden und entdecken zufällig, dass sie ihr Talent am besten auf einer Bühne mit einem Durchmesser von 30 Millimetern entfalten können. So wie Laura Schreiber. Sie besuchte eine Ausbildungsmesse, versuchte sich auf dem Stand von A. Lange & Söhne an einem Werkstück aus Metall und wollte von da an nichts anderes mehr machen. Für sie hat gerade das dritte Ausbildungsjahr bei A. Lange & Söhne begonnen – ein guter Zeitpunkt, um sie über ihre bisherigen Erfahrungen und Erwartungen an die Zukunft sprechen zu lassen.

„Ein mechanisches Uhrwerk muss man sich wie ein kompliziertes, dreidimensionales Puzzle vorstellen – ein drei Zentimeter großes Puzzle mit bis zu fünfhundert Teilen. Manche dieser Puzzleteile wiegen wenige Milligramm und sind nur mit einer Lupe erkennbar. Aber es ist ein Wahnsinnsgefühl, wenn man das Puzzle fertiggestellt und damit einem komplizierten Mechanismus Leben eingehaucht hat. Das ist mit das Beste an der Uhrmacherei: Man sieht, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat, und kann stolz darauf sein.

Doch bis ich tatsächlich Uhren zum Leben erwecken darf, muss ich ein gutes Stück Weg zurücklegen. Er beginnt in der A. Lange & Söhne Uhrmacherschule. Als die Fachbereichsleiterin der Ausbildung, Katja König, uns vor zwei Jahren an unserem ersten Tag den Lehrplan vorstellte, konnte ich kaum glauben, was wir in drei Jahren alles lernen werden. Die ersten Wochen vergingen wie im Flug. In den verschiedenen Abteilungen lernte ich meine zukünftigen Kollegen kennen. In der Lehrwerkstatt startete ich mit den ersten praktischen Arbeiten, also den Grundlagen der Metallbearbeitung: Feilen, Sägen, Drehen und Bohren. Parallel dazu fand theoretischer Unterricht in der Berufsschule in Glashütte statt.

Nachdem ein halbes Jahr vergangen war, widmeten wir uns endlich dem eigentlichen Objekt der Begierde: der Uhr. Los ging es mit dem Uhrwerk einer Großuhr, deren Mechanik und Funktionen erklärt wurden. Am Ende des ersten Lehrjahrs durfte ich den Mitarbeitern in der Manufaktur über die Schultern schauen. Drei Wochen arbeitete ich in unterschiedlichen Produktionsabteilungen, sammelte Erfahrungen und knüpfte Kontakte. Da fühlte ich mich zum ersten Mal wie eine richtige Uhrmacherin.

Im zweiten Lehrjahr näherten wir uns langsam dem Thema Armbanduhr. Zuerst lernten wir den Aufbau, die Funktionen und die Reparatur von Taschenuhren kennen – mit diesen fing vor mehr als 165 Jahren alles bei Lange an. Das absolute Highlight ist für mich aber die Anfertigung meiner ersten eigenen und ganz individuellen Armbanduhr.

Nach der Hälfte der Ausbildungszeit habe ich in der Zwischenprüfung gezeigt, was ich bis dahin gelernt hatte - bei der Anfertigung einer perfekt funktionierenden Baugruppe. Und ich war erfolgreich!

Jetzt bin ich schon im dritten Lehrjahr. Endspurt! Jede Menge Lehrstoff liegt noch vor mir: Automatikuhren, Großdatum, Chronographen und andere Zusatzfunktionen einer Armbanduhr. Außerdem nehme ich an einem Austauschprogramm mit der Uhrmacherschule Ringsted in Dänemark teil. Gemeinsam mit meinen dänischen Kollegen finissiere ich dort eine Uhr. Das bedeutet, dass ich die Oberflächen aller Teile von Hand veredle und dekoriere. Darüber hinaus reguliere ich diese Uhr selbst, das heißt, ich stelle sie so ein, dass sie die Zeit sekundengenau anzeigt – ohne größere Abweichungen. Neben uhrmacherischem Wissen sind beim Besuch in Ringsted also auch gute Englischkenntnisse gefragt. Dank der Sprachkurse, die Lange während der gesamten Ausbildung anbietet, werde ich sicher gut zurechtkommen.

Eine besondere Herausforderung im dritten Lehrjahr wird für uns Azubis die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb für angehende Uhrmacher. Hier sind wir kreativ und handwerklich gefordert. Außerdem haben unsere Vorgänger bei A. Lange & Söhne den Wettbewerb schon zweimal gewonnen.

Die Abschlussprüfung rückt langsam näher. Wenn das Ergebnis gut ist, fange ich fest bei A. Lange & Söhne an, so wie es zu Beginn der Ausbildung vereinbart wurde. Ich kann es kaum erwarten.“